Ullrich Altmann

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Belgische Kaserne „Van Dooren“

     

    Auf den Fundamenten, die von den Nationalsozialisten für ein monumentales „Haus des Wissens“ gelegt worden waren, errichtete die belgische Militärverwaltung den wichtigsten Nachkriegsneubau des Standorts: die Kaserne „Van Dooren“, benannt nach einem im Krieg gegen Nazideutschland gefallenen belgischen Offizier. Dabei verwendete man als nördliche Außenwand eine mehr als 100 Meter lange Stützmauer von 1938/39, die das abfallende Gelände zur Seeseite egalisieren sollte. Stilistisch lehnten sich die Planer der belgischen Militärbaubehörde an die Bauweise des Vogelsang-Architekten Clemens Klotz an: Die dreigeschossige, winkelförmige Kaserne wurde wie fast alle anderen Bauten in Vogelsang an der Außenseite mit Naturstein (Grauwacke) verkleidet. Das Gebäude bot auf einer Geschossfläche von mehr als 20.000 Quadrat-meter Unterkünfte und Versorgungseinrichtungen für bis zu 900 Soldaten.

    Die Tankstelle gehört zu den von der belgischen Standortkommandatur errichteten Funktionsbauten des Truppenübungsplatzes. Mit ihrem ovalen Grundriss, dem auf Betonstützen ruhenden Flachdach und den beiden halbrunden Pavillonbauten vereint sie den Baugeschmack der 1950er Jahre mit Funktionselementen der modernen Tankstelle, wie sie in den 1920er Jahren in den USA entwickelt worden war. Diese Anlage gehört zu den letzten, stilrein erhaltenen Tankstellenbauten der Nachkriegszeit und steht deshalb seit 2006 unter Denkmalschutz. Die beiden Tanksäulen wurden bei der Restaurierung anstelle der nicht mehr vorhandenen Original-Zapfanlagen neu aufgestellt.

    Zu dem geplanten Monumentalbau „Haus des Wissens“ sollte nach den Plänen des Architekten Clemens Klotz westlich dieses Hauptgebäudes ein großer Hörsaal entstehen, der den Hörsaal im Ostflügel am Adlerhof ersetzen sollte. Der Bau wurde 1941 aus Kriegsgründen eingestellt – aber die Fundamente waren gelegt und Teile des Rohbaus fertig. Diese nutzte die belgische Standortkommandatur nach 1950 zur Errichtung eines Verwaltungsgebäudes mit einem Truppenkino. Das 1.100 (heute noch 850) Sitzplätze bietende und mit einem Orchestergraben ausgestattete Kino ist mit Ausnahme der Vorführtechnik im Originalzustand erhalten. Dies umfasst die Wandbespannung, die Deckengestaltung, die Beleuchtungseinrichtungen, die Einrahmung der Bühne und die Bestuhlung des Saals. Das Gebäude ist eines der letzten Beispiele für die Filmtheaterarchitektur der 1950er Jahre. Die Projektionstechnik des 2011 geschlossenen Kinos in Gemünd wurde durch den Verein der „Film- und Kinofreunde Vogelsang IP“ 2016 und im Bildwerferraum vorführfertig installiert. Seit 2012 wird das Kulturkino für Veranstaltungen wie Konzerte, Theater, Vorträge, Filmvorführungen und Ausstellungen vielfach genutzt.

    Die Aufnahmen aus dem Innenraum des Kinos wurden mir ermöglicht mit der Genehmigung und mit der freundlichen Hilfsbereitschaft der Mitarbeiter der Vogelsang IP .